Gestern im Stall rief mich eine Reitkollegin in die Reithalle, ob ich wohl so nett sein könnte, einen toten Spatz aus der Ecke zu entfernen. Die kleinen Piepmätze verirren sich gern mal durch die offene Tür hinein, weil aber irgendwelche Sauerstoffallergiker, die ihre Zossen nicht im Griff haben, diese dann wieder schliessen, donnern die Ärmsten beim Fluchtversuch gegen die obere Scheibengalerie und nach einer Weile sind sie entweder genickgebrochen oder völlig entkräftet.

Dieser war nicht tot, versuchte noch ein paar Meter knapp überm Boden zu fliegen, um mir zu entkommen, gab aber dann auf. Das kleine Federbündel hab ich dann rausgetragen, sein Herz hab ich in der Hand schlagen hören, es war völlig fertig. Habe es dann an den Rand der Wiese gesetzt und erstmal versucht, im tröpfchenweise Wasser einzuflössen, es trank auch und ich hatte die begründete Hoffnung, dass es nach einer Weile Ruhe wieder in Ordnung käme.

Eine Stunde später wollte ich nach ihm sehen, in der Annahme, dass er zwischenzeitlich wahrscheinlich weggeflogen wäre. War er nicht. Der kleine Spatz war tot. Wenigstens ist er nicht in der staubigen Halle gestorben und auch die Katze hat ihn nicht gefressen. Er saß ihm Gras in der Abendsonne und hat einfach aufgehört zu atmen. Und jetzt sagen Sie mir nicht, ich sei sentimental und der Kreislauf des Lebens und es war doch bloss ein Spatz und all sowas. Weiß ich alles. Und trotzdem hat es mich gestern traurig gemacht. Ich bin eben manchmal doch ein sentimentales Weichei. Mir doch egal.